Die Geschichte der Tapete

Wandschmuck und – Gestaltung sind so alt wie die Menschheit. Schon zu früheren Zeiten, in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten haben Menschen ihr Zuhause geschmückt und verkleidet.

Früher äußerte sich dies in Höhlen- und Felsmalerei, Mosaiken und Fresken, Wandbekleidung aus vergoldetem, geprägtem Leder und floralen, mauresken Ornamenten.

Die ersten Wandpapiere die bedruckt waren und für Haushalte bestimmt waren, stammen aus dem 14. Jahrhundert. Damals galt die Papierherstellung noch als handwerkliche Kunst.

Erst die Kombination von Druck und Papierherstellung ermöglichte eine Art Serienanfertigung. In englischen und französischen Papiermanufakturen entstehen die Dominotiers, die Vorläufer der Tapete. Bereits im 17. Jahrhundert wurden diese mit Modeln aus Holz gedruckt und haben Rapportmuster, welche eine fortlaufende Flächengestaltung erlaubten. Diese Drucktechnik hatte sich bereits im Stoffdruck bewährt.

Ende des 17. Jahrhunderts kamen in England die ersten Tapetenbahnen auf. Sie bestanden aus zusammengeleimten, handgeschöpften Papierbahnen.

Zudem entwickelt sich mit der Zeit eine immer ausgeklügeltere Handdrucktechnik. Handbemalt oder mit Schablonen und Holzmodeln bedruckt entsteht eine breite Palette von verschiedenen Dessins.

Höhepunkt der bisherigen Entwicklung waren die Panoramatapeten: mit Holzmodeln bedruckte, auf bis zu 32 Tapetenbahnen, zeigten sich damals bereits imposante Stadtansichten, Landschaften und auch Kriegsschauplätze. Die Herstellung von Endlospapier ist dank der Erfindung des Rundschöpfsiebes möglich. Damit wurde der erste Schritt zur industriellen Produktion der Tapete vollzogen.

Die am Anfang noch mit Dampf betriebenen Maschinen des Rationsdrucks ermöglichten günstigere Preise und auch eine Produktionssteigerung. Die Herstellung der Walzen war jedoch noch wenig rational und kunsthandwerklich:
Die massiven Holzwalzen wurden von Formstechern kunstvoll mit Metallstegen bestückt und größere Farbflächen mit Filz ausgefüllt.

Erst die Einführung des Nacheinanderdrucks einzelner Farben auf modernen, sogenannten Schnell-Läufern, machte die Tapetenherstellung schließlich flexibel und effizient. Vor der Tapete wurden die Wände im Orient mit sogenannten Gobelins gekleidet, dies waren Wandteppiche.

Diese Wandteppiche waren sehr wertvoll, deswegen wurden sie von den französischen Adeligen beim Reisen von Schloss zu Schloss, nie zurück gelassen.
Nach diesen Wandteppichen kamen die Menschen im Orient auf geprägte Ledertapeten, welche teilweise vergoldet waren. 1425 wurden Tapeten in Niederösterreich erstmals zur Wandgestaltung verwendet. Diese waren aus rotem und gelbem Pergament. Diese wurden dann durch eine Art Wandbespannung aus Stoff, verdrängt.

1469 wurden am Mittelrhein die ersten Tapezierversuche durchgeführt. Und somit schaffte die Tapete ihren Durchbruch.

1509 wurden in England Dokumente von der Rückseite bedruckt und als Tapete verwendet. Auch aus China kamen Tapeten nach Europa, die handgemalt waren. Da die Tapete nun immer beliebter wurde, begann in Frankreich und England die Herstellung der Tapete.

König Karl der 1. von England befahl Jerome Lanyer eine Tapete mit Wolle und Staub herzustellen, dies war der Anfang der Verlourstapete. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle Tapeten noch per Hand bedruckt. 1750 wurde das technisch hochstehende Stoffdruckverfahren in England und Frankreich übertragen. Die erste größere Tapetendruckerei wurde aber in Deutschland erbaut.

1790 wurde von Jean Zuber das erste mal versucht, zusammengeklebte Papierbahnen mit einer Kupferwalze zu bedrucken.
Nach mehreren Versuchen wurde dieses Verfahren dann eingestellt, da sich Falten bildeten und das Muster nicht gut zu erkennen war.
Die Tapete wurde erst mit Holzmodeln und Druck wertvoll, mit diesem Druckverfahren wurde damals die teuerste Tapete der Welt hergestellt: mit einem Wert von $ 40.500 wurde sie auf einer Auktion verkauft.

1799 patentierte Nicolas-Louis eine Maschine um Papier von einer großen Ausdehnung herzustellen. Um 1830 wurde diese Maschine in die Tapetenproduktion übernommen und setzte sich auf ganzer Linie durch.

Im 19. Jahrhundert wurden Massenanfertigungen der Tapete durch die konstruierten Druckmaschinen erstmals möglich. Dieser Durchbruch hatte allerdings auch negative Aspekte, weil die damaligen Künstler immer weniger Aufträge zur Wandgestaltung bekamen. Von da an war die Tapete auf dem Markt sehr beliebt und wurde immer bunter und schriller. Am Anfang waren die Maße einer Rolle in der Länge 8,16 m und in der Breite 47 cm.
Die Qualität des Maschinenpapiers war von mittlerer bis geringer Qualität und ihre Oberfläche war glatt. Im Gegensatz zu den heutigen Tapeten ist der Fortschritt also sehr groß.

Deutsche Renaissance (1520 – 1660)

Die Zeit des Samtbrokats und des Spanischleders.
Seit dem Mittelalter sind Wandbespannungen aus geprägtem und vergoldetem Leder und Behänge mit wertvollen Stoffen bereits Attribute gesellschaftlicher Selbstdarstellung.
Die Stoffe Samtbrokat und Damast werden aus den Handelszentren wie Venedig und Florenz geliefert. 

Die Muster sind vor allem in symmetrischen, floralen und mauresken Ornamenten und in bunten Farben gehalten.
Das reiche Bürgertum schmückt seine wichtigsten Räume mit so genannten Spanischleder, welches über maurische Besatzer nach Spanien kam und sich so über Europa ausbreitete.

Deutscher Barock (1660 – 1800)

Die Zeit des Goldleders und des Akanthusblattes.
Ludwig der 14, der „Sonnengott“ genannt wurde, prägte mit seinem Hofstaat zusammen diesen Stil:
Geprägte Goldledertapeten, schwere Farben, üppige Motive aus geschwungenem Bandwerk und Ornamente des Akanthusblattes bestimmten diese Zeit.

Deutscher Rokoko (1735 – 1789)

Die Zeit der „Rocaille“ und „Chinoserie“.
Im Spätbarock wandeln sich die schweren und prunkvollen Formen ins Leichte und Zierliche.
Typisch für diese Zeit ist die „Rocaille“, ein asymetrisches Muschelmotiv.

Aber auch zarte Blumen-Muster und die sogenannte „Chinoserie“ war sehr beliebt. Diese handbemalten, chinesischen Tapeten mit fernöstlicher und exotischer Blütenmalerei galten als Begriff von Luxus.

Deutscher Klassizismus/Empire (1755 – 1830)

Die Zeit der Symmetrie und Herrschaftssymbole.
Anhand der französischen Revolution besinnt man sich auf gradlinige Formsprache aus der Antike.
Elemente der griechischen Malerei und Herrschaftssymbole wie Säulen und Lorbeerkränze sind zu streng symmetrischen Mustern geordnet.
Typisch ist ein an der Mittelachse symmetrisch gespiegeltes Ornament, die sogenannte Groteske.

Sie zeigt phantasievolle Motive römischen Ursprungs und zarte Ranken.

Biedermeier (1815 – 1850)

Die Zeit der Panoramatapeten im Landschaftszimmer.
Mit dem repräsentativen Ernst des napoleonischen Empires bricht auch der Biedermeier- Stil.
Die Inneneinrichtung ist Ausdruck eines tugendhaften, einfachen Lebensstils.
So auch die damalige Tapete: Romantische Motive aus der Natur und kleine Muster sind beliebt.
Gefragt sind Landschaftszimmer, die mit Panoramatapeten den Raum ins Freie öffnen.

Historismus (1820 – 1910)

Zeit des Rotationsdrucks und des Stilmixes.
Muster, Proportionen und Farben werden genau so ohne Zusammenhang kombiniert, wie die Stile aufeinanderfolgen:
Ob Neoklassizmus, Neorenaissance oder kolonialer Exotismus: es herrscht Stiloluralismus.
In der Zeit des Umbruchs passiert auch die Entwicklung des Rotationsdrucks: Die Industrielle Fertigung von Tapeten beginnt mit der Leimdrucktapete.

Jugendstil (1890 – 1910)

Zeit der organischen Formensprache.
Diese Generation steht für Helligkeit und klare Formen.
Rechte Winkel und Symmetrie werden gegen florale Ornamentik ausgetauscht.
Organische Formen schwingen sich über Möbel, Gegenstände und Wände.

Art déco (1905 – 1930)

Zeit der neuen Sachlichkeit.
Eine Vielzahl ungewöhnlicher Tapetendessins entsteht.
Organisches und Geometrisches verbindet sich und wird abstrahiert.
Wiener Werkstätte und Werkbund bereiten den Weg zu einer neuen Sachlichkeit.

Funktionalismus (ab 1920)

Zeit von „Le Corbusier“ und Bauhaus.
Dieses Design wird in seiner Farb- und Formensprache dem sachlichen Zweck unter geordnet.
Die Eintontapeten von Le Corbusier und die Bauhaus-Tapetenkollektion sind legendär.
Sie sind der Beginn der heutigen Uni-Tapete als Alternative zu gestrichenen Wänden.

Heute

Zeit der Vielfalt, Qualität und Praktibilität.
Die heutigen Qualitätsmerkmale der modernen Tapeten sind die Vielfalt der Designs und Muster, die einfache Verarbeitbarkeit, zum Beispiel bei der Vliestapete und die anspruchsvollen Kollektionen.
Hinzu kommen die Qualität des Materials unserer modernen Tapeten und das Know-how der Herstellung, wie Prägung und Druckqualität.